Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
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Chinchillas - wahre Schätze:

 

Von Annika Schumacher

Ich muss zugeben: ich bin kein Experte was Chinchillas betrifft. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich einen Internetanschluss  - und somit Zugang zu den Chinchilla-Experten -  habe.

Ich habe mich zuvor noch nie wirklich mit diesem Thema befasst. Ich wusste in etwa wie ein Chinchilla ausschaut: relativ klein, puschelig mit großen Knopfaugen und süßen Öhrchen.

Das niedliche und puschelige Aussehen der Chinchillas ist vermutlich auch häufig deren Verhängnis. Denn leider werden die Tiere häufig gekauft, ohne dass sich der neue Halter darüber im Klaren ist, wie hoch die Ansprüche dieser Tiere sind.

Auch wenn Chinchillas den Anschein erwecken:  sie sind keine Schmusetiere, sondern sehr charakterstark und eigensinnig. Wird man ihren Ansprüchen gerecht, bietet ihnen den nötigen Platz und das richtige Futter, so versichere ich Ihnen: Sie werden enorm viel Freude an diesen Tieren haben. Und das sogar für eine lange Zeit - Chinchillas können in Gefangenschaft bis zu  20 Jahre und manchmal sogar älter werden! Dies sollte natürlich auch bei der Anschaffung berücksichtigt werden.

Bevor ich Ihnen nahe bringe, wie denn tiergerechte Haltung in diesem Falle ausschaut, möchte ich Ihnen noch kurz mitteilen, wie und wo die Chinchillas in freier Wildbahn zu Hause sind:

Die Chinchillas sind in den höher gelegenen Bergwelten der Anden in Argentinien, Peru, Bolivien und Chile beheimatet. Dort leben sie in großen Kolonien mit oft mehr als 100 Tieren zusammen.
Sie sind nacht- und dämmerungsaktiv. Den Tag verbringen die Tiere gut geschützt in Felsspalten und Höhlen, in der Dämmerung begeben sie sich dann auf Futtersuche. Aufgrund der Vegetation  ist die Ernährung eher karg: trockene Gräser, Pflanzenteile und Kakteen.

Wenn man also die natürlichen Lebensumstände betrachtet, so sollte klar sein: 

  • Chinchillas sollten mindestens zu zweit gehalten werden
  • Chinchillas brauchen Platz – viel Platz
  • Chinchillas brauchen die richtige/eine hochwertige Ernährung

Um den Ansprüchen gerecht zu werden sollten folgende Dinge beachtet werden:

Die Partnerwahl – Chinchillas nie alleine!:
Da Chinchillas, wie bereits erwähnt, in freier Wildbahn in großen Gruppenverbänden zusammenleben, sind sie sehr gesellig und besitzen ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten. Deshalb sollte man sich vor der Anschaffung eines solchen Tieres darüber  im Klaren sein, dass man es niemals in Einzelhaft halten sollte.
Chinchillas können am einfachsten paarweise oder als gleichgeschlechtliche Gruppe gehalten werden.  2-4 Tiere sind für Anfänger ideal. Bei mehr als 4 Tieren kommt es schneller zu Unruhen und es Bedarf eines guten Gespürs des Halters, dem vorzubeugen. Bei gemischten Gruppen oder Paarhaltung sollte das Männchen auf jeden Fall kastriert werden, da sonst 2-3 mal im Jahr mit Jungen gerechnet werden muss. Es kommt sehr wahrscheinlich zu Problemen zwischen den Böckchen, wenn Weibchen in der Nähe bzw. in der Gruppe sind und Weibchen können auch (hormonell bedingt) eifersüchtig aufeinander sein, wenn sie zusammen mit Böckchen gehalten werden. Es wäre also durchaus sinnvoll, sich vor der Zusammenführung an erfahrene Halter zu wenden.

Die Unterbringung und Einrichtung:
Chinchillas sind sehr bewegungsfreudige Tiere. Sie springen, klettern und laufen gerne. Demnach muss das Platzangebot entsprechend groß sein. Die Mindestanforderung, bei einem großen Angebot an Auslauf, ist ein Gehege mit mindestens: 150cm x  80cm x 150cm -  BxTxH. Nicht selten richten Chinchillafans, die den Platz haben, den Tieren sogar ein eigenes Zimmer ein. Das Gehege sollte über mehrere Ebenen verfügen. Um zu vermeiden, dass sich die Tiere bei einem tiefen Absturz verletzen, sollte der Abstand zwischen den einzelnen Ebenen nicht mehr als 1m betragen. Ebenso sollten mehrere Häuschen und Röhren zum Rückzug vorhanden sein.  Auch ein genügend großes Sandbad für die Fellpflege darf nicht fehlen. Hierbei ist eine gute Qualität des Sandes entscheidend, denn quarzhaltiger Sand oder gar Vogelsand können die Struktur des seidigen Fells der Chinchillas zerstören.

Der Auslauf:
Den Chinchillas sollte zusätzlich täglich mehrere Stunden Auslauf gewährt werden, wobei man wissen sollte, dass Chins Dauerausscheider sind. Daher sollte man nicht all zu penibel sein, wenn hier und da ein paar Köttel fallen. Diese sind jedoch gut mit dem Besen oder Staubsauger zu entfernen. Stromkabel müssen gut geschützt werden (Kabelkanäle) und giftige Pflanzen außer Reichweite gestellt werden. Chinchillas können bis zu einem Meter hoch springen und sehr gut klettern, dies müssen Sie bei der Absicherung auf jeden Fall berücksichtigen. Chins knabbern wirklich alles (!) an, deshalb sollte man sie (aus gesundheitlichen sowie aus optischen Gründen) beim Auslauf nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Am besten eignen sich übersichtliche Räume wie Flur, Bad oder Küche.

Die Ernährung:
Frisches Gemüse und Obst finden Chinchillas in ihrer Heimat aufgrund der kargen Vegetation nicht. Daher ist das Verdauungssystem dafür auch nicht ausgerichtet und die Tiere reagieren häufig mit Matschköttel oder gar Durchfall. Deshalb sollte Futter aus dieser Sparte nur als kleiner Snack, in ganz geringen Mengen, verfüttert werden.  Im Gegensatz dazu ist wichtigstes Grundnahrungsmittel Heu. Um die Verdauung aufrecht zu erhalten muss es immer zur Verfügung stehen. Ebenso sollten getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter täglich auf dem Speiseplan stehen. Ein gutes Pelletfutter zu finden ist leider nicht so einfach. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass kein Zucker, Melasse oder Getreide enthalten ist. Viele Mischfutter-sorten sind viel zu gehaltvoll und führen somit schnell zur Verfettung. Auch hier sollten die Inhaltsstoffe genau überprüft werden. Alternativ zu den Pellets und dem Mischfutter kann getreidefreies Chinchillatrockenfutter angeboten werden.
Auf keinen Fall dürfen getrocknete Zweige fehlen. Diese dienen hervorragend dem Zahnabrieb. Altes, trockenes Brot hingegen sollte nicht angeboten werden. Da es durch den Speichel schnell matschig wird dient es keinesfalls den Zahnabrieb. Eher ist es aufgrund der Zusätze an Gewürzen, Getreide und Konservierungsstoffen gesundheitsschädlich.

Sollten Sie über die Anschaffung von Chinchillas nachdenken oder haben Sie bereits Tiere zu Hause, so möchte ich Sie eindringlich bitten zu bedenken, dass sie wahre Schätze haben werden bzw. bereits zu Hause haben. Denn die Tiere sind in ihrem natürlichen Lebensraum vom Aussterben bedroht. Bitte behandeln Sie die Tiere auch so – jedes Leben ist wertvoll und verdient ganz besonderen Respekt und liebevolle Fürsorge.